Print ist nicht wesentlich
Es gibt ein lustiges, neues Thesenpapier vom VDZ, dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, mit dem erstaunlichen Titel "Print ist Zukunft". Bei TIMElabs wird das Papier hinreichend (und verdient) zerlegt, Danke an Carsten für den Hinweis. Ich musste bei der Lektüre an einen Post von Leander Wattig denken, in dem er die Frage stellt, was eigentlich ein Buch ist. Da gibt es eine Definition der UNESCO von 1964 und die geht so:
A book is a non-periodical printed publication of at least 49 pages, exclusive of the cover pages, published in the country and made available to the public
Das lässt sich ja leicht auf andere Printprodukte übertragen. Aber die Fragestellung hinkt. "Was ist ein Buch?" oder "Was ist eine Zeitschrift?" baut auf dem Begriff des Buches und der Zeitschrift auf und deren Definitionen sind im digitalen Zeitalter mehr als hakelig. Ich glaube, dass sich das, was ein Buch oder eine Zeitschrift ausmacht, sich nicht im Begriff "Buch" bzw. "Zeitschrift" komplett wiederfindet. In der oben genannten Definition ist das Buch an erster Stelle eine gedruckte Publikation. Schmeißen wir das "gedruckt" raus (das müssen wir, sonst wären E-Books keine Bücher), bleibt nur noch "Publikation". Ein Buch ist eine Publikation und ein Verleger (publisher) ist jemand, der Inhalte publiziert, der Inhalte öffentlich macht bzw. der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.
Wer bis hierher gefolgt ist sieht unmittelbar ein, dass das Papier eine Veröffentlichungsoption ist, aber in keinster Weise ein Muss, wie es das VDZ-Thesenpapier behauptet. Den Verlegern als Dachverband so eindeutig zu suggerieren, dass Print als wesensbildender Bestandteil eine Zukunft haben muss, ist fahrlässig und macht blind für alternative Arten der Veröffentlichung. Print ist eben nicht wesentlich.



Print ist meines Erachtens schon insofern wesentlich, dass manche Verlage an der komplette Wertschöpfungskette inklusive Druck und Distribution beteiligt sind und in Schwierigkeiten kommen, wenn das Papier aus der Gleichung rausfällt.
Janun. Wesentlich für einen Teil der Branche, das mit Sicherheit. Aber nicht wesensbildender Bestandteil für das Buch oder die Zeitschrift "an sich". Hier werden ökonomische Zukunftsängste mit nicht definierten Begriffen vermischt, da kann nur Unsinn bei rauskommen. Da bin ich doch noch sehr Philosoph. Wie soll man bitte vernünftig über etwas reden, ohne die Grundbegriffe geklärt zu haben? Und das ist kein philosophischer Elfenbeinturm. Das ist eine Ursache für diese seit Jahren andauernde Kakophonie.
Ich würde auch die Frage stellen, was das Wort "gedruckt" denn eigentlich meint. Im Jahre 1964 mag das unstrittig gewesen sein. Oder vielleicht doch nicht? War eine mittlealterliche Handschrift demnach kein Buch, da nicht "gedruckt"? Ist "drucken" zwingend das technische Aufbringen von Druckerschwärze auf Papier? Oder muss/kann man "drucken" heute weiter definieren, so wie wir in unserem Leben ja viele Dinge virtualisieren? Könnte man "drucken" in diesem Sinne als "verfügbar machen" definieren. Wird also z.B. dieser Blog immer dann virtuell "gedruckt", wenn er auf einem Bildschirm angezeigt wird? Ein hörbuch würde demnach "gedruckt", wenn es abgespielt wird.
Natürlich ist eine solche Definition des virtuellen Druckens unüblich - aber ist sie vielleicht dem Thema angemessen?
für mich ist auch ein PDF ein druck - wenn auch ein virtueller... wobei "virtuell" im sinne von scheinbar trifft es ja auch nicht wirklich - nämlich wenn man das PDF in einem ebook reader betrachtet.
alles in allem ist papier unwesentlich - als buchmedium, als zeitschriftenmedium und sogar als zahlungswährungsmedium. und dass die eine oder andere druckerei dabei über die wupper geht - tja, das ist pech und welcher betroffene langsam keine gegenmaßnahmen ergreift, ist selber schuld.
"Schmeißen wir das "gedruckt" raus (das müssen wir, sonst wären E-Books keine Bücher), bleibt nur noch "Publikation"."
Ich weiß nicht, ob ich Dich richtig verstehe, aber Du beziehst Dich auf eine Definition aus dem Jahre 1964. Dem Zeitalter als die ipods noch so groß wie Koffer waren. Momentchen mal! 1964? Internet etc.?
Du kannst Dich nicht auf eine Definition von 1964 beziehen und das "gedruckt" einfach rausscheißen. Zu der Zeit gab es nämlich nichts anderes.
Und falls Du etwas anderes meintest, dann konnte ich Dir nicht ganz folgen. Vielleicht bin ich ja irgendwie doof, aber ich verstehe das wirklich nicht.
Schwieriges Thema, da müssen die Begrifflichkeiten echt neu definiert und dem Zeitalter angepasst werden. Aber um die Printindustrie zu weinen, bringt ja auch nichts, man muss ja mit der Zeit gehen.