techlogs Voelker spielt

Haiti - spielerisch spenden

von Michael Völker, 18. Januar 2010, 13:16

Ich finde es ganz beeindruckend, wie die Erdbebenkatastrophe von Haiti derzeit insbesondere bei Social Games ausgeschlachtet wird. Marktführer Zynga bietet in seinen Spielen Mafia Wars, Zynga Poker und natürlich FarmVille die Möglichkeit, für die Opfer zu spenden. Bei FarmVille beispielsweise wird man beim Start sofort auf die Möglichkeit hingewiesen, weißen Mais für den Anbau auf der digitalen Farm zu kaufen, alle Einnahmen gehen direkt nach Haiti heißt es. Für 25 FarmVille-Dollar lässt sich das Gemüse freischalten, das sind umgerechnet fünf US-Dollar. Danach darf man eine Woche weißen Mais anbauen, der als Lockmittel besonders viel Gewinn und Erfahrungspunkte abwirft und niemals verdorrt, also auch spielerische Vorteile bietet.

Dass das nicht aus Menschenliebe heraus geschieht dürfte klar sein. Die Spendenbereitschaft der Menschen wird schlichtweg genutzt, um spielerisch die Online-Bezahlsysteme und den Kauf virtueller Güter einzuüben, die vielen noch suspekt sind. Ich kann mir gut vorstellen, dass der ein oder andere noch nie etwas bei FarmVille gekauft hat, nun aber, da eine Spende mit Spielspaß verknüpft werden kann, doch erstmals die Kreditkarte gezückt wird. Denn die Verbindung von Spende mit Spielelement hat ja auch noch den kleinen Vorteil, dass man sich nicht nur als Gutmensch fühlen, sondern gleichzeitig allen anderen zeigen kann, dass man gespendet hat. Und ich finde das nicht verwerflich. Für Organisationen, die auf Spenden angewiesen sind, kann es eine große Chance sein, mehr Gelder zu sammeln, wenn die Spende auf eine spielerische Art und Weise generiert werden kann. Ich habe auf jeden Fall meine Farm mit weißem Mais zugepflastert.

(Und wer nicht FarmVille spielt und trotzdem spenden mag: das geht auch beim Roten Kreuz über iTunes

Nachtrag: zum Ergebnis der Aktion habe ich hier gebloggt



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Kommentare

  1. Michael Khan Geldquelle und -senke
    19.01.2010 | 10:43

    Ich will ja nicht behaupten, dass ich verstanden hätte, wie das Geschäftsmodell solcher social games funktioniert und vor allem, warum es funktioniert.

    Wichtig im Zusammenhang mit der katastrophenhilfe ist aber nicht allein die Frage, woher das Geld kommt, sondern auch die Frage, wohin es geht.

    Eine Menge davon scheint nicht ganz andertswo zu landen, als es sich die Spender vorstellen. So berichten Medien, u.a. hier ...

    http://news.de.msn.com/...?cp-documentid=151749122

    .. davon, dass private Hubschrauberbetreiber die Gunst der Stunde gekonnt nutzen. Zitat:

    > Besitzer privater Helikopter
    > machten das Geschäft ihres Lebens.
    > Ihre Maschinen waren nicht auf den
    > Flughafen angewiesen. Sie konnten auch
    > an anderen Stellen der haitianischen
    > Hauptstadt landen. Am Dienstag kostete
    > die Miete eines Helikopters für die
    > zwei Flugstunden nach Haiti noch rund
    > 1400 Dollar. Am Donnerstag wurden etwa
    > 8000 Dollar verlangt.

    Da wird also schon einmal ein Anteil des Spendenaufkommens schon recht effizient abgeschoepft, aber auf eine Art, die den Opfern nicht zugutekommt.

  2. Michael Völker @Michael Khan
    19.01.2010 | 10:59

    Stimmt. Dahingehend ist die Kooperation mit einer Institution wie dem Roten Kreuz o.ä. vertrauenserweckender.

  3. Michael Khan Vetrauen ist gut ...
    19.01.2010 | 13:25

    Im beschriebenen Fall schafft wohl auch die sorgfältigste Wahl der Hilfsorganisation keine Abhilfe, es sei denn, sie verfügt über eigene, unabhängige Transportkapazität vom Festland nach Haiti.

    Die hat in der Region aber weder das Rote Kreuz noch sonstwer, sondern nur nur eine einzige große Organisation, die der US-Regierung gehoert und die ihre Fluggeräte gern khaki- oder olivfarben anstreicht.

    Alle anderen Organisationen, sofern ihre Hilfsgüter nicht von den US-Streitkräften transportiert werden, ist auf private Dienstleister angewiesen und damit dem Wucher ausgesetzt.

    Gar nicht zu spenden ist auch keine Option, denn das schadet denen, die vollkommen hilflos und schutzbedürftig sind, nämlich den Opfern.

    Die einzige sinnvolle Abhilfe wäre gewesen, die Preise für Transportleistungen per Regierungsanordnung einzufrieren, als bekannt wurde, dass sich diese Katastrophe ereignet hatte.

    Die privaten Betreiber von Hubschraubern sollen ja nicht draufzahlen, und sie hätten ohnehin gut verdient, dank der vollen Ausbuchung ihrer Geräte. "Gut verdienen" sollte aber auch reichen - warum muss es gleich "unverschämt gut" sein?

    Diesmal ist es leider zu spät, aber dies wird nicht der letzte derartig gelagerte Fall sein. Die USA und andere Staaten sollten sich vielleicht einmal überlegen, wie sie solches Verhalten in Zukunft unterbinden.

    Ich kann ja nachvollziehen, was die betreffenen Hubschrauberbesitzer motiviert. Aber ich muss ja nicht jede nachvollziehbare Tat auch gutheißen.

  4. Karl Bednarik Ohne Spiele
    23.01.2010 | 10:26

    Ich habe einen Weg entdeckt, wie man ganz ohne unnötig störende Spiele für Haiti Geld spenden kann.

    Man geht zum nächsten Postamt, und füllt das entsprechende Formular aus, welches in Österreich als Erlagschein bezeichnet wird.

    Ich spiele gerne HALO-1+2+3+ODST, Dead Space, oder Riddick - Assault on Dark Athena, aber erst nachdem ich gespendet habe.

    Ich glaube, dass man die Prioritäten in dieser Reihenfolge ordnen sollte.

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