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Computerspiele für's Klima?

von Rainer Gerhards, 22. Dezember 2009, 14:03

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist gescheitert. Man darf sich die Frage stellen, warum denn eigentlich das nicht zu größeren Problemen für die politisch Handelnden führt.

Bei allem öffentlichen Interessse, so befürchte ich, ist die Interessenlage weiter Bevölkerungsteile der Industrienationen doch eher auf wirtschaftliches Wohlergehen als auch "das große Ganze" gerichtet. Man weiß zwar, dass "das Klimaproblem" exisitiert und eigentlich auch gelöst werden sollte - aber so ganz den Stellenwert wie die eigene aktuelle Erkrankung oder Ebbe im Geldbeutel hat es dann doch nicht.

Daher sind Steuerreform, Gesundheitswesen und Arbeitslosigkeit in Deutschland Top-Wahlkampftehmen, das Klima hingegen eher am Rande. Was fehlt, ist die dringende und offensichtliche Notwendigkeit für den Einzelnen, sich damit zu beschäftigen.

Damit möchte ich keinesfalls meine Mitmenschen schelten. Nein, auch ich gebe zu, dass mich die "greifbaren Sorgen des Alltags" durchaus häufig mehr beschäftigen... Ich vermute, das ist menschlich. Die Frage muss also lauten: was kann man machen, damit das eigentlich doch so viel drängendere Thema "Klima" auch in unser Alltagsleben präsenter wird? Wie kann man den Grad an Aufmerksamkeit erreichen, der notwendig ist, um die Frage prominent auf die politische Agenda zu setzen?

Panikmache ist sicher fehl am Platze. Aber: es ist wohlbekannt, dass Menschen sich am ehesten mit Dingen identifizieren, die sie "real" erleben können. Erst durch Kenntnis und eigene Erfahrung wird nachhaltige Identifikation mit dem Thema aufgebaut.

Schön wäre also eine Zeitmaschine, mit der wir uns in eine um vier Grad wärmere Welt versetzen lassen könnten, um dort dann all' die Probleme am eigenen Leib zu erleben, über die wir heute nur "theoretisieren". Man verbringe dort zwei Wochen "Klimaurlaub" und wird, so vermute ich, bei der Rückkehr ins Heute eine ganz andere Sichtweise haben.

Nun, warum schreibe ich das gerade in meinme IT-Blog? Einfache Antwort: ich denke, wir können diese "Zeitmaschine" zumindest virtuell realisieren. Wissenschaftlich liegen uns doch hinreichend Fakten vor, um eine realistische Simulation eines solchen Szenarios zu ermöglichen. "Klar", wird man einwenden, "aber diese Fakten und auch die Simulationen sind doch ohnehin bekant - ohne das das die beabsichtige Wirkung hat". Das stimmt, ich denke aber, es ist eine Frage der "Darreichungsform".

Unsere Politiker werden nicht müde, uns immer wieder über das Gefahrenpotential von Computerspielen zu informieren. Ein Kernpunkt dieser Argumentation (die ich hier und jetzt nicht diskutieren möchte) ist, dass durch die relativ häufige Beschäftigung mit dem Thema die virtuelle Realität subjektiv als "quasi-real" erfahren wird, und damit auch das Handeln in der wirklichen Welt bestimmt. Diesen Gedanken verfolgt ja beispielsweise auch die US-Armee, die Computerspiele sowohl zur Rekrutierung als auch zu Übungszwecken einsetzt.

Diesen Gedanken muss man einmal genüßlich zu Ende denken... Haben wir hier nicht unsere "Zeitmaschine"? 

Wie wäre es denn, wenn wir als Gesellschaft (finanziert z.B. von der Bundesregierung...) Computerspiele entwickeln, die sich mit dem Klimawandel beschäftigen. Aber nicht in dröger From, sondern mit einer ansprechenden Spielhandlung, ausgerichtet auf Zielgruppen. Allerdings: die Handlung sollte sich in einem realistischen Szenario abspielen, so dass man eben als "Nebeneffekt" des Spiels ein "Gefühl" davon bekommt, wie der Klimawandel jeden Einzelnen von uns betrifft. 

Vielleicht bin ich ja ein Träumer: aber ich würde mir von einer solchen Vorgehensweise durchaus positive Auswirkungen auf die Situation erhoffen. Oder ist das womöglich das Problem? Was, wenn mittelfristig tatsächlich der entsprechende Druck auf die Politik entsteht...

Und, ehe ich missverstanden werde: das Klimaproblem werden wir sicherlich nicht durch Computerspiele lösen können. Aber vielleicht können sie ein kleiner Baustein auf dem Weg dahin sein.

Wenn dieser Blogpost Ihr Interesse geweckt hat: mehr zu meinen Gedankengang auch im Post  "Menscheit vs. Klima 0:1" in dem Sonderblog zur Klimadiskussion.



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Kommentare

  1. Thilo Computerspiele
    23.12.2009 | 11:59

    Ich wage mal die Prognose: wer sich von Computermodellen und -simulationen nicht überzeugen lassen will, der wird sich von Computerspielen auch nicht überzeugen lassen wollen.

    Abgesehen davon wären solche Spiele aber zweifellos ein Beitrag zur Popularisierung der Klimaforschung.

  2. Martin Huhn kein Betreff
    23.12.2009 | 12:42

    So etwas in der Art gab es schon einmal. Es ging da nicht um Klima, sondern um Verkehrsregelung, aber so weit weg ist dieses Thema ja nicht vom Klimawandel. Durch geschickte Verkehrsleitsysteme kann Energie gespart und somit der CO2 Ausstoß gesenkt werden.

    Mobility

    Wie erfolgreich das ganze war hinsichtlich der Verkehrserziehung weiß ich jedoch nicht.

  3. adenosine kein Betreff
    25.12.2009 | 08:23

    Unwahrscheinlich, dass das was nutzt. Die Vorbehalte der Bevölkerung resultieren doch eher daraus, dass vermutet wird, dass Geschäftemacher, Zertifikatemilliardäre und Lobbyisten sich am Feuer einer übertriebenen Katastrophenpanik gesund stoßen wollen. Solange keine Kosten/Nutzenrechnungen für CO2-Vermeidungsmaßnahmen durchgeführt werden ist das Ganze unglaubwürdig. Rechnet doch mal selbst aus, welchen Temperatureffekt die deutschen Solarstromsubventionen (bis zu 100 Milliarden) in den nächsten 20 Jahren haben werden. Deutschland hat ca. 3% vom Welt-CO2. 30% davon kommen auf den Strom. Davon ist heute der Solaranteil bei ca. 1% und wird höchstens auf 3% steigen. Der Welt CO2-Außstoß wird insgesamt ca. 0,3 Grad Steigerung bringen. Computersimulationen erwecken doch eher den Eindruck, das alles besiebig manipulierbar ist.

  4. Holger Steinmann Computerspiele
    27.01.2010 | 17:59

    Ökolopoly von Frederic Vester ist bekannt? Grüße H. St.

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