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Zeitschrift der Zukunft?

24. Dezember 2009, 09:21

Wenn wir momentan an eReader und eBooks denken, fällt uns in der Regel Hardware von Amazon (Kindle) oder Sony (Ebook) ein, die statische Inhalte in S/W auf den Bildschirm bringen und das Auge nur durch reinen Text reizen. Für Bücher mag das passend erscheinen, bei Magazinen und Tageszeitungen sieht das aber etwas anders aus. Hier wird mehr Interaktion mit dem Leser verlangt. Aber vielleicht ist das Printmedium gar nicht mehr so weit von seiner nächsten (digitalen) Revolution entfernt, denn viele Gerüchte ranken sich momentan um einen neuen eReader, der schon 2010 den Versuch starten könnte Magazine in neu gestalteter Form auf ein tragbares Display zu bringen. Und wenn sich die Gerüchte bewahrheiten, bringt die Hardware gleich millionenfach zahlungswillige Kundschaft für die »Printinhalte« mit sich.

Die Rede ist von einem Tablet-Rechner von Apple, der allerdings schon seit einiger Zeit herbeiorakelt wird. Wie auch damals beim iPhone, weiß man, dass ein solches Gerät in der Entwicklung ist, aber nicht in welche Richtung es Apple in den Markt drückt und wann es erscheinen wird. Und letztendlich ist es auch nicht allzu wichtig, ob das Gerät von Apple oder einem anderen Hersteller kommt. Wichtiger wäre eher, dass sich die Kundschaft auf ein Gerät einigen möchte und darauf das Konzept funktioniert gute Inhalte gegen einen fairen Preis einzutauschen. Damit der Kunde auf sein Papier verzichtet, muss der Download also einmal mehr einen Mehrwert bieten, um zum selben Preis wie das gedruckte Gegenstück über die Ladentheke zu wandern. Es reicht nicht aus, einfach nur ein PDF im Vollbildmodus auf einen Bildschirm zu legen und zu hoffen, dass die zahlende Kundschaft den Wert und die Vorzüge von Papier vergisst.

Wie das Aufpeppen der Inhalte funktionieren könnte – und auch wie ein Tablet-Rechner von Apple aussehen könnte – zeigt Time Inc. mit der Zeitschrift »Sports Illustrated«. Hier entstand eine Konzeptstudie einer digitalen Zeitschrift mit Mehrwert, zu dem unter anderem Animationen, Interaktion, Sound und Video gehören. Unbedingt sehenswert ist folgender Link mit dem Demovideo: http://bit.ly/60OA6C

Nach Sicht des Videos ist klar, dass nicht nur das Lesen im Vordergrund steht, sondern dass die Zeitschrift als digitales Erlebnis verkauft wird. Der eReader ist zudem internetfähig und integriert sich fast schon selbstverständlich in soziale Netzwerke wie facebook und Twitter. Warum auch nicht, denn hier übernimmt der Leser nebenbei noch etwas kostenloses Marketing für den Herausgeber, indem er beispielsweise seine Lieblingsartikel verbreitet. Im Vordergrund stehen natürlich weiterhin die Inhalte der Zeitschrift, die als Grundgerüst aus der Printproduktion übernommen werden können und durch die technischen Möglichkeiten eines eReaders ausgebaut werden. Auch an die notwendigen Anzeigen hat man gedacht und bietet dem Anzeigenkunde einen Mehrwert durch Videos und Interaktion. Bleibt also noch die Frage, wie die Inhalte den Weg zum Leser finden.

Und hier kommt Apple wieder ins Spiel. Die Firma aus Cupertino verkauft bereits erfolgreich Musik, Filme, Fernsehsendungen, Spiele und Programme über den iTunes Store und hat es bisher stets geschafft dies mit eigener Hardware (iPod, iPhone, AppleTV) und Software (iTunes) zu unterstützen. Warum also nicht auch Zeitungen, Magazine, bzw. Printprodukte generell verkaufen? Der Vorteil für die Verlage wäre ein riesiger Kundenstamm, den der iTunes Store mit sich bringt. Jeder, der zuvor Musik oder Videos bei Apple gekauft hat, hätte automatisch auch Zugang zu den Magazinen.

Dazu kommt, dass das iTunes-Publikum durchaus bereit ist für gut gemachte digitale Inhalte zu zahlen, was nicht nur der App Store für das iPhone bereits bewiesen hat. Oft wird dieser Vorteil zwar etwas heruntergespielt, da man sich angeblich nur an die kauffreudigen Mac-Anwender richtet, die ohnehin zu viel Geld für ihre Apple-Produkte ausgeben. Nicht vergessen darf man aber, dass der Großteil der iTunes-Kunden mit einem Apple-Rechner nur wenig am Hut hat. Ein Großteil der Einkäufe wird von Windows-Rechnern aus getätigt. Und dort gehören dann auch 300 Euro-PCs auf einmal zu den zahlungsfreudigen Kunden. Außerdem kann es dem Verlag (und Apple) egal sein, wer genau nun das Geld ausgibt. Die Hauptsache wäre ja, das es überhaupt gemacht wird und das das Angebot existiert.

Was also fehlt ist die passende Hardware zum mobilen Lesen, die als Gadget das berühmte »will ich unbedingt haben« in den Köpfen auslöst und deren Software möglichst einfach und benutzbar ist. Jeder, der dann die Hürde nimmt und sich das Gerät kauft, wird folglich auch längerfristig an den Inhalten im iTunes Store interessiert sein und vermutlich auch mehr und mehr Lesestoff auf diesem Weg konsumieren. Apple wird damit sicherlich nicht zum Retter der Verlage, zumal man auch in Cupertino hauptsächlich an gefüllten Konten interessiert ist. Ein funktionierendes Modell Printinhalte auf ein digitales Medium umzubauen und dafür auch entsprechendes Geld zu verlangen, sollte aber durchaus über den iTunes Store funktionieren. Und ein Ausblick auf die Zeitschrift der Zukunft ist es allemal.


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Digitale Entwertung

03. Dezember 2009, 13:07

Screenshot aus dem Apple iTunes Store

Die Medienindustrie hat momentan eine klare Aussage was die Zukunft der Distributionswege ihrer Inhalte betrifft. Geht es nach den Plänen vieler großer Content-Lieferanten sollen im Lauf der nächsten zehn Jahren die physischen Datenträger komplett abgelöst werden, was vor allem die Film- und Spieleindustrie momentan massiv beschäftigt. Schon voll im Gange ist die Digitalisierung der Medien im Bereich Musik, auch wenn man sich hier mehr oder weniger unfreiwillig den neuen Konzepten von Apple und Co. hingeben musste und auch heute noch nicht besonders froh über die (angeblich viel zu günstige) Preisgestaltung eines digitalen Musikalbums ist, verglichen mit einer CD im Laden. Und auch der Verkauf von einzelnen Songs aus einem Album ist der Musikindustrie immer noch ein Dorn im Auge, für den Käufer aber ein überaus praktischer (und »damals« neuer) Mehrwert. Kaufe nur das, was du wirklich haben willst. »Kollateralkäufe« ausgeschlossen. (weiter)

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